| Alpencross mit dem Mountainbike Nachbericht |
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MTB Tour, Jo-Route, Immenstadt - Riva Gardasee 10. Juli bis 17. Juli 2006 Nach einem Jahr Radlpause ist es nun wieder soweit. Die naechste Transalp findet statt. Wolfgang ist dieses Jahr leider ausgefallen, da seine Lendenwirbelsaeule Ausfallerscheinungen zeigt und er sich diese Jo-Route nicht zutraut. Das brachte mich etwas in Verlegenheit, da sich kein weiterer Partner in meinem engeren Umfeld finden liess. So nutzte ich das Internet um evtl. ein paar andere Verrueckte zu finden, die an dieser Schinderei Spass haben. Gesucht – gefunden: Klaus aus Immenstadt, Turan aus Sonthofen und Erkan aus Kempten. Alle drei von Bosch opfern die 7 Tage fuer die Tour in den Sueden. Mit Klaus treffe ich mich das erste Mal am Freitag, dem 7.7., zu einer und der einzigen Vorbesprechung fuer die Tour nach meiner Ankunft aus China. Klaus, als eingefleischter Mountainbiker, hat gleich die richtige Sichtweite und wir sind uns sofort einig, was den Ablauf der Tour anbetrifft. 1. Tag 10. Juli, Montag Am Montagmorgen treffen wir uns um 6:30 in Immenstadt an der ehemaligen Mercedes Dirr Vertretung. Das Wetter macht mit, leichte Wolken und radlige 18º C versprechen Genuss pur. Nach meinem Probelauf am Vortag auf das „Haus“ stelle ich gerade jetzt fest, dass meine Vorderbremse keinen Zug mehr hat und ich bereits noch vor dem ersten Kilometer nach Klaus Werkzeugkiste fragen muss. Offensichtlich Luft im System. Mist - und das in der Frueh und keine Moeglichkeit es abzustellen. Also, Radl Heckmeyer in Oberstdorf ansteuern. Zwischenzeitlich trifft auch Erkan ein, gut warmgefahren, da er ja bereits von Kempten angetreten kommt. Er hat nur eine Stunde benoetigt! Welch Kraftpaket - was er auch die weiteren Tage bestaetigt. Gemuetlich rollen wir am Illerdamm Richtung Sonthofen, wo wir am Illerstadion Turan auflesen. Der ist noch nicht aufgewaermt, fummelt aber intensiv an seinem Ciclomaster herum, der die Anzeige verweigert. Somit lohnt es sich in Oberstdorf den Radshop anzusteuern. Weiter am Illerdamm erreichen wir nach ca. 50 Minuten Fahrzeit den Rad Tempel „Heckmeyer“. Juniour schraubt bereits an einem anderen Bike herum und teilt mir mit, dass dies noch ca. eine halbe Stunde dauern wird. Er muss wohl gemerkt haben, das wir heute noch einiges vorhaben und spannt flux meinen Zossen auf die Werkbank. Es stellt sich heraus, dass die Belaege runter sind, obwohl Radsport ..... in Sonthofen bestaetigt, dass die Belaege gewechselt wurden. Lange Rede kurzer Sinn, ein Satz neue, Leitung entlueftet, Euro 32.-. Turan fummelt immer noch am Tacho aber er tut’s nicht. Heckmeyer fuehrt dieses Modell nicht. 30 Minuten spaeter tigern wir durch die Fussgaengerzone, vorbei an der Lorettokapelle, in Richtung Stillachtal und weiter ins Rappenalptal. Ca. 10 Uhr erreichen wir die Speicherhuette. Wasser tanken, einen Riegel und das Bike am langen Arm. Die erste Schiebepassage Richtung Schrofenpass. Dann Rad schultern und ueber die engen Tritte, Leitern und Geroellpassagen ueber den Pass, gute 1700 Hoehenmeter. Es ist nun meine vierte Schrofen Ueberquerung. Ich kann sagen, dass der Uebergang zu meinen Highlights gehoert, zumal man das Rad auf der anderen Seite wieder runterschieben muss. Es nervt, aber die grandiose Aussicht und der Erfolg diese erste Etappe geschafft zu haben, entschaedigen dafuer. Ich werde oben von einem anderen Biker gefragt, wie weit es denn noch bis zur Heilbronner Huette sei! Es sei noch frueh am Tag und es muesste doch moeglich sein die Huette zu erreichen. Crazy, der hat scheint es die Hoehenlinien der Karte nicht beruecksichtigt! Der wollte tatsaechlich am gleichen Tag noch durchs Silbertal. Wir lassen ihn ziehen. Auch eine Familie mit schwerem Geraet sagt uns, dass heute noch etwa 40 km anstehen! Die wollten ueber den Kristbersattel in das .......Tal. Verrueckt! Es bestaetigt die Statistik, dass die meissten Transalp nach dem zweiten Tag aufgegeben werden. 30 Minuten spaeter erreichen wir Warth und der Magen verlangt nach Brennstoff. Wir fahren weiter bis Lech, da mir dort ein Gasthof mit Terrasse bekannt ist. Nach einer Stunde Pause treten wir weiter. Wir folgen dem Lechtal bis zur Lechquelle, wo Spullerbach, Johannesbach und Formarinbach sich zum Lech vereinen. Nach weiteren 10 km erreichen wir den Formarinsee, wo sich auf der Suedseite unterhalb vom Rauhen Joch die Freiburger Huette in einen Sattel gezwaengt hat. Nach Umrundung des Sees erreichen wir die Huette und genehmigen uns einen letzten Drink (Radler/Cola), bevor wir den geroelligen Downhill nach Dalaas antreten. Laecherlich, der Weg nach unten ist fuer Radfahrer verboten. Der Wirt bittet mich, vom Schild ein Foto zu machen und es dann dem Wirt von der Post in Dalaas zu geben, da dieser wohl mit den oertlichen Behoerden von Dalaas Probleme hat. Wie wir erfahren haben, kann der Weg von Radlern benutzt werden. Es wird jedoch keine Haftung fuer Schaeden uebernommen. Die Dorfregierung hat kein Geld fuer die Sanierung des Weges, somit entzieht man sich der Haftung, indem man den Weg einfach sperrt. Wir erreichen Dalaas, Hotel Post, gegen 17 Uhr und der erste super Tag neigt sich dem Ende. Zum Abendessen sitzen wir im Garten bei Geschnetzeltem, Kaessspatzen und Goulasch. Ein paar Weizen tragen positiv zur Bettschwere bei. Turan fummelt am Tacho. Ankunft Hotel Post 17 Uhr nach ca. 79 km. Ca. 10 Stunden unterwegs. Fahrzeit 6 Std. 30 Min. Hoechster Punkt Freiburger Huette (1912 m) 1.853 hm bergauf, 1599 hm bergab 2. Tag, 11. Juli, Dienstag Nach einem ausgedehntem Fruehstueck verlassen wir das Klostertal und kurbeln gemuetlich (noch!) Richtung Kristbergsattel. Es sollte der haerteste Tag der Tour werden und ich erinnere mich noch an die ewigen Schiebestrecken im Silbertal. Nun gut, nach ca. anderthalb Stunden erreichen wir besagten Sattel. Das Wetter ist wieder herrlich und wir legen unsere verschwitzten Klamotten in die Sonne. Gut gewachst gleiten wir auf der Kristberg Hoehenloipe dahin bis zur Raststation „Hasahuesli“. Die wunderschoene Huette laedt zur Brotzeit und laengerem Verweilen ein. Hier liegt eine tueckische Gefahr: Wer hier zu lange bleibt oder sich den Bauch voll schlaegt, muss selbigen dann den ganzen langen Weg bis zur Heilbronner Huette tragen! Es ist 11 Uhr und wir setzen unseren Weg durch das Silbertal fort. Am Anfang kann man noch von Genussradeln sprechen, aber der Geroellweg wird steiler und die Steine groesser. Ab Obere Freschalpe geht dann nichts mehr. 3 Stunden schieben liegen vor uns. Nach Querung einzelner Schneefelder muss das Rad dann auch noch auf die Schultern. Dieses Tal gehoert nicht zum Genussteil der Tour, ist aber die einzige Moeglichkeit Richtung Silvretta und dazu noch wunderschön. Klar gibt es andere Wege, welche aber laenger sind und auf normale Strassen fuehren. Turan zeigt erste Ausfallerscheinungen. Er merkt selbst wie die Energie schwindet und er hat Muehe die Huette zu erreichen. Voellig ausgepowert ueberlegen wir, was wir tun sollen. Wir entscheiden: Runter ins Patznauntal. Ich stelle bei meiner Hinterbremse mal wieder einen Druckverlust fest. Beim Ueberpruefen tropft Oel aus dem Bremssattel. Die Bremse faellt ganz aus. Oben an der Huette! Ca. 12 km Downhill vor mir und das nur mit Vorderbremse - nach der super Abfahrt!!! Vorbei am Kops Stausee erreichen alle vier Galtuer. Ein Quartier ist schnell gefunden und Turan sinkt erschoepft ins Bett. Wir lassen den Tag beim Italiener ausklingen und diskutieren nochmals diese heutige Schinderei. Wir versuchen Turan mit Tee und Fruechten wieder aufzupeppeln. Er wird den naechsten Tag ausfallen lassen und am vierten Tag wieder einsteigen. Turans Ciclo funktioniert wieder! Ankunft Pension Garni Ferwall 19 Uhr nach ca. 52 km. Ca. 11 Stunden unterwegs. Fahrzeit 8 Std. Hoechster Punkt Heilbronner Huette (2308 m) 2115 hm bergauf, 1388 hm bergab 3. Tag, 12 Juli, Mittwoch Nach einem reichhaltigen Fruehstueck im Garni Ferwall brechen wir Richtung Ischgl auf, mit der Absicht meine Bremse beim naechsten Rad-Fredl zu reparieren. Der Spass kostet 175.- Euro und wirft uns ca. 1 Stunde zurueck. Zu allem Ueberfluss stellen wir fest, dass wir das Kartenmaterial in der Pension liegengelassen haben. Mein Vorschlag an Erkan, noch mal zurueckzuradeln, kommt nicht so gut an. Wir verlassen Ischgl und steigen ins Fimbatal auf, an deren Ende die Heidelberger Huette liegt. An der Gampenalpe verlassen wir Oesterreich und rollen zu den Schweizer Eidgenossen. Um die Mittagszeit erreichen wir die Huette und eine lockende Aufschrift auf der Tageskarte: „Nudeln mit Pesto“ laesst eine Pfuetze unter der Zunge entstehen. Auch die Wirtin ist ein echter „Hingucker“, aber es geht ja nichts ueber eine weitere Schiebestrecke von ca. 1 Stunde. Wir erreichen den hoechsten Punkt unserer Tour, den Fimberpass auf 2608 Metern. Ein gigantischer Rundblick laesst uns eine Zeit lang verweilen. Wir machen viele Bilder mit dem Fluchthorn im Hintergrund und mit dem Downhill, eher Singletrail, ins Val Choeglias vor uns. Der Abstieg stellt sich schwieriger als gedacht heraus. Nix mit Downhill, schieben und tragen bis runter zur Alp Choeglias. Aber dann Genuss vom Feinsten bis nach Vna, wo Sandwiches mit Buendner Fleisch (9.- Euro!) auf uns warten. Weiter nach Ramosch und nach Sur En. Wir blockern auf der Hauptstrasse und in Sur En finden wir den Einstieg ins Uina Tal. Ein Blick zum Himmel laesst vermuten, dass wir die Regenreifen aufziehen muessen. Nach einer Stunde gehoeriger Schinderei setzt der Regen ein. Wir ueberlegen, ob wir uns wasserdicht machen sollen. Nach einer halben Stunde im Unterstand entscheiden wir uns fuer die Regenbekleidung und es geht weiter. Zum Glueck hoert es nach einer weiteren halben Stunde auf, aber an Aufklaren ist nicht mehr zu denken. Das Tal wird immer enger und zum Schlusss verlaeuft der Weg in den Fels gehauen. Ein gigantischer Augenblick diese Stelle zu durchlaufen. Auch hier kein Radeln moeglich dafuer aber super Eindruecke ueber dieser Landschaft. Am Talausgang erwartet man dann die entsprechende Huette, die aber ewig nicht auftaucht. Fahren wechselt sich weiterhin mit Schieben auf diesem Hoehenweg ab. Das Wetter ist trostlos und keine Huette in Sicht. Nach weiteren 3 km nach dem Talausgang erreichen wir die Sesvennahuette. Geschafft! Den Stahlesel in die Garage und eine heisse Dusche. Zum Abendessen Bratkartoffeln mit Spiegelei und Speck, Matratzenlager, schnarchende Nachbarn (einschliesslich Klaus). Zum Fruehstueck Brot mit Butter und Marmelade. Und das alles zum Preis von 50.- Euro!!! Auf den restlichen Etappen der Tour haben wir keine Huetten mehr angesteuert. Ach ja, Klaus hat eine neue Schiebetechnik mit dem Bike. Keiner weiss wie er es macht, aber er erreicht auf den Steigungen eine Schiebegeschwindigkeit von sage und schreibe 6 km/h ohne dabei zu rennen! Das schaffe ich gar nicht auf dem Bike bergauf! Ab sofort neuer Name: „Schieber-Klaus“. Ankunft Sesvenna Huette ca. 19 Uhr nach ca. 74 km. Ca. 12 Stunden unterwegs. Fahrzeit 8 Std. Hoechster Punkt Fimber Pass (2608 m) 2489 hm bergauf, 1832 hm bergab 4. Tag, 13 Juli, Donnerstag Mit wolkenlosem Himmel und grandioser Fernsicht beginnt der Tag. Laut Karte ein super Downhill durch das Schlinger Tal Richtung Schleis (Clusio), wo wir Turan wieder aufnehmen, der sich einen Tag ausgeruht hat und mit Bus und Bahn nach Schleis gefahren ist. Wir sind alle froh, ihn, voller Energie strotzend, wiederzufinden. Von Schleis rollen wir durch kleine, fuer den Vinschgau uebliche, Doerfer nach Glurns (Glorenza), weiter nach Lichtenberg (Montechiaro) und nach Santa Christina. Von hier an geht es dann wieder zur Sache. Bei lockeren 35° C und Teerpiste quaelen wir uns auf die auf 1829 hm liegende Schartalpe. Das Kartenmaterial versagt hier und wir finden die Huette nicht. Wir rubbeln ueber den Hoefeweg weiter in Richtung Furkelhuette, immer entlang der Via Alpina. Auch die Furkelhuette bietet keine Einkehrmoeglichkeit und wir rasseln ueber die Skipiste hinunter nach Trafoi. Keine Einkehrmoeglichkeit auf der gesamten Strecke! Nur Wasser und Powerriegel. Gegen 16 Uhr erreichen wir unsere Unterkunft Hotel Bellavista mit einem fantastischen Ausblick auf die Ortler Gruppe. Das Hotel gehoert dem mehrfachen damaligen Skiweltmeister Gustav Thoeni und wird von ihm und seiner Familie gefuehrt. Wir sitzen den restlichen Nachmittag auf der Terrasse und plaudern mit anderen Transalp Radlern, die wir waehrend der gesamten Strecke noch haeufiger treffen werden. Bei einem hervorragenden Abendessen und ein paar viertel „Roten“ (Cola) lassen wir den Abend ausklingen. Wir bezahlen 70.- Euro im Doppelzimmer inklusive Abendessen und Fruehstueck. Ankunft Hotel Bellavist ca. 16 Uhr nach ca. 49 km. Ca. 8 Stunden unterwegs. Fahrzeit 5 Std. Hoechster Punkt Furkel Huette (2153 m) 1606 hm bergauf, 2299 hm bergab 5. Tag, 14 Juli, Freitag Der Wecker klingelt um 6:30 Uhr und der Blick hinter den Vorhang zeigt einen weiteren fantastischen Sonnentag. Nach einem reichhaltigen Fruehstueck ziehen wir unsere Bikes aus der Garage. Bei mir hat sich ueber Nacht die Luft aus dem Vorderrad verabschiedet. Das Austauschen dauert keine 10 Minuten und wir sind gegen 8 Uhr startklar. Klaus Werkzeugausruestung uebertrifft das, was ich bisher bei Transalp Radlern gesehen habe. Sogar eine schwere Kombizange kommt zum Vorschein. Vermutlich ist er in der Lage, selbst ausgefallene Ritzel nachzuarbeiten. Es fehlt nur noch ein kleiner Schraubstock in seinem Rucksack. Es sind auf’s Stilfser Joch 42 Kurven bei einer Laenge von 12 km und einem Hoehenunterschied von ca. 1300 Meter. Tja, das richtige fruehmorgens um 8 Uhr. Auf der Teerstrasse benoetigen wir (ich) ungefaehr 2,5 Stunden zum Pass. Erkan macht das locker in einer Stunde. Oben angekommen, kommt man sich vor wie auf einem Volksfest. Motorradfahrer, Wanderer, Biker - alles versammelt auf der Passhoehe. Bratwurststaende saeumen den Weg und Souvenierbuden auf einer Laenge von 100 Metern. Erkan und ich genehmigen uns eine Bratwurst in einer Riesensemmel gefuellt mit Sauerkraut. Nicht schlecht. Stilfser Joch, Tourismus pur, wir schauen, dass wir weiterkommen. Gleich nach der Passhoehe geht’s rechts hinauf, nach kurzer Schiebepassage zum Museo Storico. Ab hier beginnt wieder ein traumhafter Trail ueber eine ehemalige Millitaerstrasse in Richtung Umbrail Pass. Von dort eine kurze Schiebepassage auf der Via Alpina auf den auf 2768 Metern gelegenen Passo di Forcola. Von hier beginnt wieder der Traum eines Downhills. Von 2768 Meter auf 1555 Meter auf hervorragender Schotterpiste und spaeter auf Teer. Einfach super! Wir lassen Bormio rechts liegen und steigen in einen Hoehenweg Richtung Premezzano ein. Wie sich herausstellt, ist dies nicht die weiseste Entscheidung, da der Weg ziemlich kraeftezaehrend ist und wir bis St. Caterina Valfurs noch lockere 25 km vor uns haben. Ab Uzza, der SS 300 folgend, fahren wir Richtung unserem Tagesziel. Die Beine sind schwer, das warme Wasser schmeckt nicht mehr und ein Powerriegel bringt auch keine Verbesserung der Kondition. Es nervt, wir schauen nach links und rechts, um ein Albergo fuer die Nacht zu finden. Turan und Erkan draengen bis zum Etappenziel zu fahren. Klaus und ich sehnen uns nach einem bequemen Stuhl, Pizza, Rotwein (Cola). Schliesslich fahren wir die Strecke durch und erreichen St. Caterina um ca. 18 Uhr. Kurz vor dem Ziel durchschlagen wir die 10.000 Hoehenmeter Marke. Erkan und Turan sind vorne weg, Klaus und ich legen eine Gedenkminute ein. Im Hotel Sport koennen wir die Klamotten waschen und es gibt typisches italienisches Essen. Es ist wohl mit der anstrengendste Tag der gesamten Tour. Auf relativ kurzer Strecke werden immerhin 2310 Hoehenmeter abgearbeitet. Wein, Weizen, (Cola), schlafen. Ankunft Hotel Sport ca. 18 Uhr nach ca. 56 km. Ca. 10 Stunden unterwegs. Fahrzeit ca. 7 Std. Hoechster Punkt Stilfser Joch (2835 m) 2319 hm bergauf, 2072 hm bergab 6. Tag, 15 Juli, Samstag Bei erneut herrlichem Sonnenschein ruft der Gavia Pass nach uns. Um 8 Uhr machen wir uns auf den ca. 1000 Hoehenmeter Aufstieg. Es laeuft gut, die Sonne steht noch nicht allzu hoch und wir erreichen den Pass um ca. 10 Uhr. Oben steht schon Klaus mit betruebtem Gesichtsausdruck, denn das Tretlager seines „Mockele“ gibt knirschende Geraeusche von sich. Wir treffen die Gruppe der anderen Transalpler wieder und einer bietet an, Klaus mit nach unten zu nehmen und zu versuchen, die Sache zu reparieren. Wir beschliessen weiterzufahren und abzuwarten wie sich die Sache entwickelt. Spaeter sollte sich heraustellen, dass vermutlich nur eine Kugel vom Lager zerbrochen war und nach Verarbeitung der Reste durch einen ordentlichen Antritt sich die Sache von selbst erledigte. Super 1000 Meter Downhill vom Pass. Erkan stuerzt leicht und verletzt sich am Knie. Klaus verarztet ihn, da er neben Werkeug auch eine top Erste-Hilfe-Ausruestung bei sich fuehrt. Erkans Wunde ist tiefer als gedacht und Klaus verarbeitet mehrere Mullbinden und eine Dose Spruehpflaster, um die Blutung zu stillen. Aber unser Power-Tuerke ist hart im Nehmen und es geht nach 20 Minuten weiter. Unten warten bereits die Spaghetti im Albergo Pietra Rossa. Hier lohnt sich das Verweilen, der urige Gasthof wird privat gefuehrt und es gibt einfache italienische Spezialitaeten. Die Zeit draengt und nach ca. 1 Stunde geht es weiter in das Viso Tal, da heute noch ein Pass ansteht. Bei der Auffahrt nach Pezzo funktioniert der Umwerfer von Erkan nicht mehr. Nach genauerer Untersuchung stellt sich heraus, dass das „Auge“, an dem der Umwerfer haengt, angebrochen ist. Wir biegen es vorsichtig in die Ausgangsposition und hoffen, dass das fuer den Rest des Tages haelt. Es ist heiss und wir erreichen das malerische Dorf Case di Viso. Meine Augen gleiten an dem rechts liegenden Berghang entlang auf der Suche nach einem Einstieg oder einem Fahrweg. Nichts! Laut Tourenbeschreibung nur kurze Schiebestrecke. Oben am Grat sehe ich zwei einzelne Wanderer und hoffe, dass dies nicht der Weg ist, den wir auch nehmen muessen. Es ist der Weg. 900 Hoehenmeter und das am Nachmittag und alles Schiebestrecke und lockere 35 ºC. Wir verfluchen die Tourenbeschreibung! 2 Stunden Fussmarsch bis auf die Montozzo Scharte. Von da wieder viel Schiebestrecke nach unten bis zum Lago Pian Palue. Endlich wieder auf den Sattel. Vorbei an Cogolo nehmen wir das Peio Tal Richtung Dimaro, unserem Etappenziel. Auf der Strecke erleben wir einen schweren Motorradunfall, der uns kurzzeitig etwas in uns kehren laesst und uns ermahnt, auch kuenftig mit hoechstmoeglicher Vorsicht unterwegs zu sein. Am Abend treffen wir unsere Freunde aus dem Schwabenland wieder. Wieder ein grandioser Tag, der, wie gewohnt, in einer Pizzeria Ausklang findet. Ankunft Albergo Dimaro ca. 17:30 Uhr nach ca. 72 km. Ca. 10 Stunden unterwegs. Fahrzeit 7 Std. Hoechster Punkt Montozzo Scharte (2616 m) 1940 hm bergauf, 2825 hm bergab 7. Tag, 16 Juli, Sonntag Letzter Tag. Endspurt. Ab 8:30 Uhr rollen wir auf gewohntem Untersatz auf der SS 239 in Richtung Madonna de Campiglio. Es soll einen Waldweg geben, dessen Einstieg wir wohl verpasst haben. Turan und Erkan sind voraus gefahren, doch wir wollen keine Experimente wagen. Also folgen wir dem Asphalt nach Madonna. Kurz durch den Stadtkern und Fussgaengerzone halten wir uns Richtung Vallesinella Huette. Wir folgen einer super Strecke durch Pinienwald und tollen Wanderwegen in das Agola Tal, an dessen Ende der Agola See liegt. Ab dort etwa 30 Minuten schieben auf den Pass L’Ors. Hier versagt dann die Karte etwas und die Orientierung wird schwierig. Ich entscheide mich fuer den falschen Weg und Erkan brettert bereits los. Klaus klickt schon in die Pedalen und rollt langsam an. Vorbeigehende Fussgaenger und zwei einheimische Radler frage ich zur Bestaetigung noch einmal, ob uns dieser Weg weiter im Hochtal nach Stenico fuehren wird. NEIN!!! Ich schnappe meine Trillerpfeife, Klaus kann mich gerade noch hoeren und muss leider die Strecke zurueckschieben. Unser Power-Tuerke ist bereits ueber alle Berge in Richtung Giustino unterwegs. Selbst das Mobile kann seinen Downhill-Drang nicht bremsen, er ist weg. Wir senden eine SMS um ihn dann wieder in Stenico aufzulesen. Fuer uns drei eroeffnet sich wieder ein genialer Downhill auf einer Laenge von 10 km und einem Hoehenunterschied von ueber 1000 Metern. Einfach spitze, dazwischen kurz Spaghetti alla arrabiata und Apfelsaftschorle (Cola). Um 1 Uhr erreichen wir Stenico. Kein Erkan. Wir warten eine halbe Stunde, probieren ihn ueber das Handy zu erreichen, was nicht kappt. Die Temperatur klettert locker an die 40 ºC Marke. Von Stenico fahren wir ueber langweiligen Asphalt nach Ponte Arche und Dasindo Richtung Riva. Von Ballino hat man den ersten Gardasee Tiefblick, unserem Ziel. Es geht von nun an noch 700 Hoehenmeter ueber Weinberge nach Riva. Gleich am Ortseingang finden wir unser Hotel Alberello und Erkan steht frisch geduscht vor uns. Er ist nicht mehr zu bewegen, an den See zu radeln. Mit einem absoluten Gluecksgefuehl im Magen radeln wir durch Riva direkt zum See. Mitsamt Klamotten und Rad rein ins Wasser. Es ist ein toller Augenblick, welchen wir auskosten. Am Abend sitzen wir beim nahen Italiener bei gewohnter Speisefolge jedoch mit etwas mehr Alkoholgenuss, da die „Sache“ ja nun abgehakt ist. Klaus laesst sich nicht breitschlagen und bleibt eisern bei seiner Cola. Nur Erkan und ich leeren zwei Flaschen „Roten“. Spaeter auf der Terrasse des Hotels werden dann noch etliche Grappas gekippt, bevor wir uns, ich glaub es muss dann doch 12 Uhr gewesen sein, ins Bett trollen. Ankunft Hotel Alberello ca. 17 Uhr nach ca. 94 km. Ca. 10 Stunden unterwegs. Fahrzeit 7 Std. Hoechster Punkt Bregn de L’Ors Pass (1867m) 2054 hm bergauf, 2765 hm bergab 8. Tag, 17 Juli, Montag Heute faellt das Aufstehen etwas schwerer und der Orangensaft im Hotel schmeckt besonders koestlich. Wir haben einen Bus bestellt, Euro 110.- pro Mann, Bike und Rucksack, der auch puenktlich um 9 Uhr vor der Tuer steht, unsere Raeder muehelos schluckt und wir mit noch drei anderen Richtung Heimat rollen. Zurueck ueber Brenner Autobahn, Innsbruck, Imster Tal, Fuessen, Wertach erreichen wir gegen 14 Uhr Immenstadt und wenig spaeter Sonthofen. Eine grandiose Tour geht zu Ende und natuerlich beginnen die geistigen Planungen fuer das naechste Jahr in den Koepfen der Beteiligten. Na, mal sehen. 476 km, 14,376 Hoehenmeter Gesamtkosten der 7 Tage, einschliesslich Rucktransport ohne Materialverschleiss: Euro 625.- Fazit der Tour: Nach meiner 4. Ueberquerung kann ich sagen, dass die letzte, die wohl anstrengenste gewesen ist. Aus meiner Sicht muesste die Tour auf 8 Tage gestreckt werden. Alle vier waren wir mit guter Kondition ausgestattet. Trotzdem erreichten wir unsere Tagesziele immer erst am spaeten Nachmittag, was wenig Zeit liess um sich mit der Landschaft auseinander zu setzen. Auch hatten wir nur wenig Pannen, die uns aufhielten. Zu erwaehnen sind ebenfalls die hervorragenden Wetterverhaeltnisse. Man sollte sich von den im Tal herrschenden 35ºC und mehr nicht abschrecken lassen. Oben auf der Hoehe zeigte das Thermometer selten ueber 25ºC und gelegentlich musste der Windstopper herausgeholt werden. Hervorragend hat auch die Konstellation mit 4 Radlern geklappt, was nicht unbedingt vorauszusehen war, da wir uns voher nicht kannten. Eine Feststellung meinerseits war, dass ich derjenige war, der am Abend auch den meisten Alkohol getrunken hat und die Zigarillo dampfte auch in der Pizzeria. Der Genuss am Abend gehoert fuer mich dazu. Klar fuer Klaus auch, der trank aber nur Cola und in Turan musste man das Glas Wein regelrecht hineinbetteln. Der einzige, der mithielt war Erkan. Der hat das aber locker durch seine Power kompensiert. Fazit hier: Meine Leistung ist definitiv hoeher zu bewerten. 470 km, ueber 14,000 Hoehenmeter plus Alkohol und Kippen, das ist Leistung! Was speziell diese Ueberquerung angeht, muss der Transport von Werkzeug, Verbandszeug, Ersatzteile und generell „was gehoert in den Rucksack“ besser koordiniert werden. Ich habe Klaus erst am Freitag vor der Tour kennen gelernt und es blieb nur wenig Zeit fuer die Frage: „Wer traegt was?“ Wie viele „Kenner“ dieser Transalps bemerken werden, haben wir nur einmal auf einer Almhuette uebernachtet. Wie im Bericht erwaehnt, hat die Nacht auf der Sasvenna 50.- Euro gekostet, bei fast keinerlei Leistung, die diesen Preis gerechtfertigt haette. Bei den zahlreichen Huettenuebernachtungen in den letzten Jahren, und ich glaube ich kann mir ein Urteil erlauben, werde ich die Alternative im Tal vorziehen. Auch das Argument, dass Transport und Wartung erheblich teurer sind, lasse ich nicht gelten. Viele Huetten sind durch Fahrwege und Materialseilbahnen mit dem Tal verbunden, was einen hoeheren Preis gerechtfertigt, nicht aber die Einstellung saemtlicher Leistungen. Auf der Sasvenna gab es nach 8 Uhr kein Essen mehr. Der Schlafsack bleibt also kuenftig zuhause. Der durchschnittliche Uebernachtungspreis bei dieser Tour lag im Tal zwischen Euro 35.- und Euro 70.-, dann aber mit Abendessen und Fruehstueck im Doppelzimmer. Mir ist aber auch klar, dass diese Ausweichmoeglichkeit im Tal nur den Radlern vorbehaten ist, da ein Abstieg ins Tal „mal schnell“ fuer einen Wanderer nicht zu bewaeltigen ist. Einen Nachteil hat das Tal: Grandiose Sonnenunter- und aufgaenge erlebt man dort nicht. S. Truebenbach, 13. August 2006 | Hier finden Sie Bilder von der Alpenüberquerung Vielen Dank für die Einsendung des Artikels! |

